© Kai Hormann
Die digitale Dunkelkammer: Hardware für Photoshop & Co! Teil 3
 
 
Der heimliche Turbo oder die unheimliche Bremse: Die Festplatte(n)

In einem modernen Rechner ist die Festplatte, und hierbei besonders die System-
und Anwendungs-Festplatte ( Laufwerk C: ) oft ein unterschätzter oder nicht beachteter Flaschenhals. Zwar wirkt sich eine langsame Festplatte nicht direkt auf die Rechenleistung aus,
aber Anwendungs- und Systemstart sowie das Laden großer Bilddateien stellen auch mit einem schnellen Rechner manchmal harte Geduldsproben dar. In der Vergangenheit konnte man diesen Geschwindigkeit-Engpass nur durch diverse Raid Konfigurationen umgehen,
erkaufte sich aber den Leistungsschub nur mit viel Aufwand und häufig durch geringere Datensicherheit.
Ein weiteres Problem mit einem Raid-Array stellt der erhöhte Platzbedarf im Gehäuse dar,
da mindestens zwei ( häufig mehr ) Platten für einen sinnvollen Raid-Betrieb nötig sind.
Wer nicht gerade einen Server- Schrank in der Ecke stehen hat, wird also sehr schnell an die "Füllgrenze" des Rechnergehäuses stoßen. ;-) Seit einiger Zeit zeichnet sich aber eine Lösung dieses Problems ab:
Sie heißt SSD-Festplatte! ( Solid State Disk )
Eine SSD funktioniert im Prinzip nicht anders als eine Speicherkarte in der Kamera, da sie komplett aus Festspeicher besteht und keinerlei bewegliche Teile wie Kopf und Magnetplatten enthält.
Durch den Wegfall der Kopf-Positionierung und der Scheiben-Anlaufzeiten kann eine SSD diesen Flaschenhals umgehen und erreicht einen wesentlich besseren SATA Datendurchsatz als eine konventionelle Platte.
Natürlich fragt man sich bei all diesen Vorteilen "Wo ist der Haken an der Sache"?
Um es kurz zu sagen: Es gibt mehrere Haken! ;-) Zum einen ist es der Preis! Eine SSD-Platte kostet ein Mehrfaches des Preises einer konventionellen Festpaltte, gemessen an ihrer Kapazität.
Dieses Problem kann man am besten mit einer Kombination aus SSD kleiner Kapazität
( für Win 7 und einige Programme reichen ca. 50-60 Gb ) und großer konventioneller Festplatte abmildern. Betriebssystem,Anwendungen und Auslagerungsdateien liegen hierbei auf der SSD,
( Boot-Laufwerk C: ) während die Tiff und RAW Dateien der Kamera auf einer herkömmlichen Platte liegen. Bei dieser Lösung werden die Bild-Daten immer noch mit herkömmlicher Geschwindigkeit geladen,
aber der Start von Win 7 und allen Programmen die auf C: liegen ( u.A. Photoshop )
wird merklich beschleunigt. Die Boot-Zeit von Win 7 kann sich, im Idealfall, halbieren,
und ein mächtiges Programm wie Photoshop CS5 ist in weniger als 2 sek. einsatzbereit.
Ein weiterer Stolperstein bei Nutzung einer SSD ist die Handhabung/Konfiguration.
Bedingt durch ihren Aufbau aus Festspeicher-Zellen braucht und sollte eine SSD niemals defragmentiert werden. Eine Defragmentierung führt lediglich zu vorschnellen Alterung und schlimmstenfalls zum Ausfall der SSD. Win 7 erkennt bei einer Neuinstallation das Vorhandensein einer SSD und stellt die nötigen Systemdienste automatisch passend ein/aus.
Es gibt noch ein paar Möglichkeiten den knappen Platz auf einer SSD optimal zu nutzen:

1. Die Auslagerungsdatei von Windows kann, ab einer RAM Größe von 8 Gb und mehr, eigentlich ausgeschaltet werden. Allerdings gibt es ein paar Programme die eine vorhandene pagefile.sys voraussetzen, so dass ich empfehle, die Auslagerungsdatei auf einen kleinen festen Wert zu begrenzen. Ersparnis : je nach Speicherausbau mehrere Gb.
 
2. Wer den Ruhezustand ( Hibernate )nicht benötigt, kann diesen abschalten und den Platz der hibernate.sys auf Laufwerk c sparen. Dazu gibt man im Eingabefeld des Startmenü den Befehl "cmd"
 ( ohne "" ) ein. Im geöffneten Konsolenfenster gibt man folgendes ein: "powercfg /hibernate off"
Nach einem Neustart kann die eventuell noch vorhandene hibernate.sys gelöscht werden.
Ersparnis : Mehrere Gb. Mit der Eingabe von "powercfg /hibernate on" in der Konsole, lässt sich der Ruhezustand jederzeit wieder einschalten. Fazit: Wer die Besonderheiten einer SSD beachtet
und in Kauf nimmt, wird mit einem merklichen Geschwindigkeit-Schub belohnt werden. ;-)


Das Drumherum: Mainboard ,Gehäuse und Netzteil

Bei der Wahl des Mainboard für die jeweilige Plattform ( Intel/AMD ) sollte man auf genügend Schnittstellen für USB/SATA eventuell auch E-SATA achten. Auch der Maximale Speicherausbau kann für die Bildbearbeitung von Interesse sein, wobei 8 Gb bei einem aktuellen Board schon die Untergrenze darstellen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Güte der auf dem Board verbauten Teile, wie z.B Kondensatoren und Leistungstransistoren. Bevor man sich für ein Board entscheidet, sollte man u.U. erst einmal Google befragen, um eventuell häufig auftretende Fehler zu entdecken. Ein guter und aktueller Bios-Support des jeweiligen Hersteller kann auch in die Kaufentscheidung mit einfließen. Das Netzteil muss nicht unbedingt ein 1000w Bolide sein. Für einen Rechner ohne SLI Grafik reicht ein gutes 500w Markennetzteil in der Regel aus. Wichtig ist auch hier die Güte bzw. das Vorhandensein aktueller Schutzschaltungen und der passenden Anschlüsse, insbesondere die der Grafikkarte. Das Gehäuse richtet sich eigentlich nur nach dem Formfaktor des Board ( ATX, E-ATX etc. ) und nach dem Geschmack des Käufers. Ein kurzer Blick in das Innere kann trotzdem nicht schaden, um die Zugänglichkeit und die Anzahl der Laufwerksschächte zu ermitteln.
Achtung! Manch günstiges Gehäuse besitzt im Inneren so scharfe Kanten,
dass bei Einbau der Komponenten nicht selten Blut fließt. :-)
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