Kai Hormann Fotografie
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Kai Hormann Photography : Natur und Landschaftsfotografie aus dem Kreis Minden-Lübbecke.

© Kai Hormann

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Von: Kai Hormann

ISOLOSE BILDSENSOREN



ISOlose Bildsensoren?

Rechts: Das von Ansel Adams entwickelte Zonensystem.

Die Grauwerte dienen hier nur zu Veranschaulichung der

ungefähren Helligkeit. Ein Wert von 2 kann beispielsweise

auch ein sehr dunkeles Grün sein.


Ob man mit diesem System arbeitet, oder sich lieber auf

seine Intuition verlässt, bleibt Jedem selbst überlassen.

In Zeiten, in denen man noch mit Großformat-Kamera

und begrenzten Film-Vorrat unterwegs war, konnte

dieses Wissen aber mit Sicherheit so manche böse

Überraschung vermeiden helfen.    

In jüngerer Zeit ist im Netz immer häufiger der Begriff: ISOloser Sensor ( eng. ISOless sensor ) zu finden.

Was es damit auf sich hat, versuche ich heraus zu finden.


Zu Erklärung muß man sich erst einmal vor Augen führen, was ein ISO Wert eigentlich darstellt.

Im Bereich Analog Film wird die Lichtempfindlichkeit ( Filmempfindlichkeit ) mit Hilfe von unterschiedlichen Materialien und

insbesondere durch unterschiedliche Korn-Größen des Materials gesteuert. Um Hersteller- übergreifend eine passende Belichtung zu

erzielen, wurde die Filmempfindlichkeit in ISO Werten genormt. Ein niedriger ISO Wert wie z.B. ISO100 kennzeichnet eine niedrigere

Filmempfindlichkeit als ein Film mit beispielsweise ISO800. Der Nachteil des Hochempfindlichen Filmmaterials war allerdings

ein gröberes Korn und somit eine reduzierte Detailzeichnung ( Auflösung ).


In der Digital Technik wurden diese ISO Werte übernommen, um die Lichtempfindlichkeit des Sensors, mit Hilfe von Signalverstärkung,

zu kennzeichnen und zu steuern. Allerdings kann ein Bildsensor in der Regel nicht aus einer Kamera herausgenommen und in eine

andere Kamera eingesetzt werden, so dass die festgelegten ( genormten ) ISO Werte eigentlich keinen Sinn mehr ergeben.

Viele Kamera Hersteller bieten deshalb auch eine feinere Abstufung in der Kamera an, um zwischen ISO100 und ISO200 beispielweise

noch ISO125 oder ISO160 einstellen zu können. Auch diese feinere Abstufung ist im Prinzip überflüssig, da die Signalverstärkung

eigentlich stufenlos arbeiten kann. Somit ist normalerweise jeder moderne Bildsensor in einer Digitalkamera ISOlos, wenn er

von der Kamerasoftware keine Grenzen gesetzt bekäme.


Bei einigen Kamera ( Sensor ) Herstellern hat man aber offensichtlich begonnen, diese Grenze quasi durch die Hintertür zu umgehen.

Dies bedeutet, dass bis zu einer bestimmten Obergrenze ( je nach Hersteller bis ca. ISO800 - 1600 ) gar keine ISO Werte mehr

in die Rohdaten geschrieben werden. Ein Bild, das mit ISO800 und passender Belichtung aufgenommen wurde, müsste eigentlich

genauso aussehen wie eine ISO100 Aufnahme die mit der gleichen Belichtungszeit extrem unterbelichtet wäre, aber im

Rohdaten- Programm ( z.B. Lightroom oder Photoshop ) um den passenden Blendenwert nach oben korrigiert wurde.


Da ich mit der Sony A7R eine Kamera mit diesen Eigenschaften besitze, habe ich den oben beschriebenen Test gemacht.


Hier das sehr interessante Ergebnis:

      


      

    

Lichtwert-Tabelle des Zonensystem

Kamera: Sony A7R, ISO800 normal belichtet.

Sony A7R ISO 800 normalbelichtet

Kamera: Sony A7R, ISO100 -3 Blendenstufen

Sony A7R ISO 100 -3 Blenden

Kamera: Sony A7R, ISO100 -3 Blendenstufen RAW korrigiert.

Sony A7R ISO 100 RAW + 3 Blenden korrigiert

100% Ausschnitt ISO100 -3 Blendenstufen RAW krorrigiert

Sony A7R ISO 100 100%

100% Ausschnitt ISO800 +-0 Blendenstufen

Sony A7R ISO 800 100%

Fazit:


Anhand der Testaufnahmen ist zu erkennen, dass die Sony,

zumindest bis ISO800 offensichtlich keine ISO Daten in

die RAW-Datei schreibt. Das Ergebnis der regulären ISO800

Aufnahme ist, auch in der 100% Ansicht, nahezu identisch

mit der in Adobe Camera RAW 9 um +3 Blendenstufen nach

oben korrigierten unterbelichteten ISO100 Aufnahme.


Auch wenn ich nach wie vor ein Problem mit dem

Begriff: „ISOlos“ habe, scheint die Signalverarbeitung der

Sony gänzlich anders zu laufen als beispielsweise bei Canon.

Natürlich hindert mich dies nicht, mit meinen Canon Kameras

zu fotografieren, aber diese Möglichkeiten besitzen sie

definitiv nicht.     

 

Auswirkungen und Möglichkeiten in der Praxis:

Normalerweise habe ich bisher, gerade im Bereich Landschaftsfotografie, immer möglichst so ausgewogen belichtet, dass möglichst viele

Dynamik-Reserven nach Oben und Unten vorhanden sind. Im Zonensystem entspräche dies einer Konzentration auf die Werte 4-6.

Bei Landschaften mit klar abgegrenzten Horizont kann man die hohen Kontraste ( Dynamikwerte ) zwar auch mit einem ND-Verlauffilter

gut In den Griff bekommen, es gibt aber Motive, die diese Filter-Art nicht zulassen, da keine horizontale Grenze im Bild ist.

Auch Bewegungen im Bild wie, z.B. Vom Wind bewegte Gräser oder Blätter können zum Problem werden, da sie bei längerer Belichtung

zu Bewegungs-Unschärfen führen.  Man musste sich also im Zweifelsfall mit einer Belichtungsreihe helfen, oder eine reduzierte Dynamik

einfach in Kauf nehmen.


Die neuen Bildsensoren erfordern ein kleines Umdenken, da, wieder am Beispiel des Zonensytems, nicht mehr die Werte 4-6 von

größerer Bedeutung sind, sondern im Einzelfall auch die hellen Bereiche 7-9. Die extremen Reserven in den dunklen Bildbereichen können dazu genutzt werden, um aus einer schwierigen Kontrast-Situation heraus eine brauchbare Aufnahme zu machen.

Dabei muss man im RAW Konverter noch nicht einmal den Belichtungs-Regler komplett nach oben  ziehen.

Mit Hilfe des Tiefen-Reglers und der Gradationskurve kann man gezielt dunkle Bereiche aufhellen ohne die Lichter zu beeinträchtigen.

Natürlich sollte man im Normalfall immer passend belichten, aber gerade in Grenzsituationen kann das Wissen um diese Reserven

durchaus sehr wertvoll sein.

       



Beispiel:

Eine Typische Szene aus dem westlichen großen Torfmoor bei Lübbecke : Eine Baumgruppe im Vordergrund, ein Moorsee in dem sich

der immer noch relativ helle Abendhimmel spiegelt und ein leichter Windhauch, der bewirkt, dass die Blätter zu bewegen.

Überbelichtete Bildteile sind auch mit einem RAW- Programm nur in engen Grenzen wieder herstellbar.

Lichter, die einmal „ausgefressen“ also zu stark belichtet wurden, sind definitiv verloren.

Im unten gezeigten Beispiel ist der hellste Bereich der Himmel, der somit passend belichtet wurde.


Kamera: Sony A7R, Objektiv: Sigma 12-24 EX f 11 ISO 100 1/40 Sek. ( -3 Blenden )

       



Originalaufnahme wie aus der Kamera ( -3 Blenden )

Landschaftsfoto ISO 100 - 3 Blenden

Nach der Korrektur in Adobe Camera RAW 9

Landschaftsfoto ISO 100 - 3 Blenden RAW korrigiert

Zu guter Letzt: Eine kleine Verneigung vor Ansel Adams. ;-)

Landschaftsfoto ISO 100 - 3 Blenden SW

Das eigentlich Bemerkenswerte dieser wirklich spannenden

Sensor/Kameraeigenschaft ist für mich aber Folgendes:


Die „Marketing Strategen“ der Kameraindustrie versuchen

uns jede, sei es auch noch so dämliche Gesichts- Lächel-

oder von mir aus auch Furz-Erkennung als das

Nonplusultra- Totschlagargument für den Kauf einer

Kamera unter die Nase zu reiben.


Aber diese wirkliche Innovation wird einfach unter den Tisch

fallen gelassen…


…eigentlich gut so, denn jedes neue feature wurde bisher noch

für Preiserhöhungen missbraucht! :-)

 

  



In diesem Sinne : Viel Spaß hinter der Kamera und in der Botanik ! ;-)

 - Das Zonensystem

 - Der Test

 - In der Praxis

 - ISOlose Sensoren

 - Beispiel

INHALT:

Eigentlich sollte sich ein Landschafts-Fotograf seinem Motiv eher emotional, als von der technischen Seite nähern.

Kurz gesagt, man sollte die Kamera einfach auslösen, wenn der Mund offen steht. ;-)

Leider gibt aber es manchmal Situationen, in denen das Auge des Fotografen mehr sieht, als die Kamera aufnehmen kann.

Dieses Problem ist natürlich nicht neu und schon vor über 70 Jahren haben sich berühmte Fotografen wie Ansel Adams um eine

Lösung bemüht. Das hierbei von Ansel Adams ins Leben gerufene Zonensystem teilt hierbei den Inhalt einer Aufnahme in

10  Helligkeits -Zonen ein. Diese Zonen verteilen sich von 0 ( reines Schwarz ) bis 10 ( reines Weiß ) und dienten dazu,

einen (chemischen) Plan-Film so zu belichten, dass möglichst alle Zonen ( Helligkeitswerte ) in einer Aufnahme erhalten blieben.

 

Durch die passende Wahl des Negativ-Filmmaterial und einem jeweils passenden Entwicklungsprozess, konnte im Bereich Großformat

auch schon im Vorfeld Einfluss auf die Kontrastwerte ( Dynamikumfang ) einer Aufnahme genommen werden.   

Die eigentliche Arbeit bei der Entstehung seiner berühmten Bilder spielte sich in der Dunkelkammer ab.

Ansel Adams hat die Technik des „Abwedeln“ ( Aufhellen von Bildbereichen ) und des „Nachbelichten“ ( Abdunkeln  von Bildbereichen )

perfektioniert und damit quasi die HDR ( High Dynamik Range ) Technik schon Anfang der 40er Jahre des letzen Jahrhunderts

Ins Leben gerufen.


Normalerweise werden beim „Abwedeln/Nachbelichten“ die zu bearbeitenden Bereiche mit einer, passend zugeschnittenen

Papp-Schablone, gezielt mit mehr oder weniger Licht versorgt, wenn ein Papierabzug vom Negativ erstellt wird.

Ansel Adams ist hier noch einen Schritt weiter gegangen: Mit einem, von Ihm selbst gebauten Belichtung's-Geräts,

konnte das  Negativ-Material, mit Hilfe von mehreren Lichtquellen individuell auf das entsprechende Fotopapier ausbelichtet

werden und gab damit seinen Aufnahmen diese unvergleichliche plastische Ausdruckskraft.


Heute, ca, 70 Jahre später, gibt es die Probleme mit extremen Kontrasten natürlich immer noch, aber mit Hilfe der Digitaltechnik

und  der damit aufgenommenen Rohdaten, können wir auf auf andere, bequemere Lösungen zurückgreifen.


DAS ZONENSYSTEM & DIGITALE FOTOTECHNIK

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