DAS GROßE TORFMOOR

INFOS, FOTOS UND PERSÖNLICHE EINDRÜCKE
AUS DEM GROßEN TORFMOOR

Das Große Torfmoor: Ausflugsziel und Naturschutzgebiet mit einem für mich, leicht faden Beigeschmack.    

Aktualisiert: 04. Januar 2022

„Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.“

Arthur Schopenhauer (1788-1860) Philosoph.  

Von: Kai Hormann

Vorwort: Dieser Artikel soll eigentlich nur Natur- und Fotografie-begeisterten Mitmenschen das Naturschutzgebiet Großes Torfmoor näher bringen. Da ich dieses Moor schon seit frühester Kindheit kenne und mich neben der Fotografie, auch mit anderen Themen wie z.B. der Astronomie, Meteorologie, Paläontologie und Entomologie (Insektenkunde) schon relativ früh beschäftigt habe, möchte ich hier einfach meine Beobachtungen und die daraus für mich resultierenden Schlussfolgerungen darstellen. Ob ich mit meinen Einschätzungen zumindest teilweise richtig liege, wird sich in der Zukunft zeigen. 

Natürlich sollen die hier von mir gemachten kritischen Bemerkungen kein Statement gegen den Naturschutz, oder noch abwegiger, gegen das Naturschutzgebiet Großes Torfmoor sein. Eigentlich ist es das genaue Gegenteil! Das Große Torfmoor, die umliegende Landschaft, und ihre tierischen & pflanzlichen Bewohner, sind mir nicht nur aus fotografischer Sicht ans Herz gewachsen. Ich versuche einfach, meine Gedanken als stiller, aber aufmerksamer Beobachter in Worte zu fassen. Nicht zuletzt auch, um im Zweifelsfall derjenigen Flora und Fauna ein Gehör zu verschaffen, welche es nicht unbedingt auf die Titelseite eines Magazins schafft. Vielleicht haben viele der übergangenen, nicht im Focus stehenden, oder vermeintlich nicht schutzwürdigen Arten von heute, schon einen Platz in der roten Artenschutz-Liste von morgen?

Kurz gesagt: Meine Sichtweise auf das Große Torfmoor ist vielleicht ein wenig „weit-winkeliger“, aber sie hat leider keinen Einfluss auf die weitere Vorgehensweise der Verantwortlichen in diesem Naturschutzgebiet. Als eine persönliche, von Vereinen, Fördergeldern, Ideologien, kurzfristigen Erfolgen und auch Berufs-unabhängige Meinung ist sie vielleicht dennoch von Interesse. Jeder Baum ist in Minuten gefällt, aber er benötigte Jahrzehnte um zu wachsen. Jede naturnahe-Wiese ist schnell gemäht, aber sie beherbergt etliche Arten. Und jedes „künstliche“ Gewässer in diesem Gebiet ist in kurzer Zeit verlandet oder zugeschüttet…. Aber es bot einen vielfältigen Lebensraum und nicht zuletzt auch die Nahrungsgrundlage für fast Alles, was dort im Großen Torfmoor wächst, lebt und heimisch ist.

Aktuelle Eingriffe, Maßnahmen und Veränderungen im Großen Torfmoor:      

Da Informationen bezüglich der aktuellen Maßnahmen, Eingriffe und Veränderungen auf den offiziellen Seiten der verantwortlichen Vereine leider gar nicht, oder nicht zeitnah veröffentlicht werden, versuche ich hier zumindest mal einen groben Überblick zu schaffen. Leider kann ich deshalb nur auf eigene Beobachtungen zurück greifen. Die Erklärung für diese Eingriffe und Veränderungen im Großen Torfmoor sollten und müssten eigentlich die Verantwortlichen liefern. Schade!      

Namensgebung und Lage.    

Das Naturschutzgebiet Großes Torfmoor befindet sich im Regierungsbezirk Detmold bzw. Ostwestfalen-Lippe in NRW. Dort liegt es im Kreis Minden-Lübbecke zwischen der Nordseite des Wiehengebirge und dem Mittellandkanal, welcher das Moorgebiet seit ca. 1910 von der Norddeutschen Tiefebene trennt. Durch die angrenzenden Ortschaften wird es, je nach Ortszugehörigkeit, auch gerne als Nettelstedter Moor, Eilhausener Moor, Gehlenbecker Moor oder als Hiller Moor bezeichnet. Ortsübergreifend hat sich eigentlich der Begriff "Großes Torfmoor" etabliert.

Das große Torfmoor am nördlichen Aussichtsturm

Das Naturschutzgebiet Großes Torfmoor im Kreis Minden Lübbecke. Panorama aus nördlicher Richtung mit Blick auf das Wiehengebirge.

Entstehung und Geschichte.     

Das Moorgebiet zählt mit ca. 470 ha Fläche zu den größten, ehemaligen Hochmooren/Regenmooren in NRW. Während der Saale/Riß-Kaltzeit vor ca. 130000 – 300000 Jahren und der Weichsel/Würm-Kaltzeit vor ca. 115000 - 10000 Jahren, zwangen Gletschermassen die Weser in ein Gebiet, welches durch die Wasser-undurchlässigen Ablagerungen des Flusses, die spätere Grundlage für die Entstehung des Großen Torfmoors erhielt. Im Laufe der Jahrhunderte konnte sich Regenwasser und anderer Niederschlag in diesem natürlich entstandenen Becken sammeln und begünstigte damit das Absterben der ursprünglichen Vegetation und die Ansiedelung der ersten Moor-Typischen Pflanzen und Moosflächen. Da es die heutige Grenze, in Form des Mittellandkanals natürlich noch nicht gab, erstreckte sich das ursprüngliche Moor bis auf 3 km in nord/südlicher-Breite.  

Weil die abgestorbene Biomasse in dieser feuchten aber Sauerstoffarmen Umgebung nicht wie in anderen Gebieten üblich, relativ schnell von Mikroorganismen zersetzt wurde, bildete sich im diesem Bereich eine Torfschicht, die mit Hilfe der nachwachsenden Pflanzen/Moose immer stärker wurde und langsam in die Höhe wuchs. Auf Grund dieser Entstehung lässt sich das Große Torfmoor heute in die Reihe der ehemaligen Hochmoore bzw. Regenmoore zuordnen, obwohl einige Gewässer im östlichen Bereich auch durch Bäche mit Oberflächenwasser versorgt werden. 

Wanderwege und Laufstrecken im Großen Torfmoor

Wanderwege, Parkplätze und Rettungspunkte im Großen Torfmoor.

Diese selbst erstellte Karte beinhaltet, zusätzlich zu den üblichen Wegen und Parkplätzen auch den östlichen Teil des Großen Torfmoores. Sie zeigt ein paar inoffizielle, aber sehr reizvolle Strecken im östlichen Moorgebiet. Alle markierten Wege sind legal begehbar und können natürlich auch kombiniert werden. Die Rettungspunkte stellen für einen eventuellen Notfall genaue Ortsangaben bereit, allerdings musste ich sie leider aus dem Gedächtnis einfügen, da keine genauen öffentlichen Daten zu finden sind. Trotzdem ein großes DANKESCHÖN an die örtliche Jugendfeuerwehr, welche diese hilfreichen Schilder nicht nur im Großen Torfmoor aufgestellt hat. Karten-Rohdaten von: https://www.openstreetmap.org  

Großes Torfmoor mit Wollgras im Frühjahr.

Das Große Torfmoor: Wollgras im Frühjahr bei typischem Aprilwetter.

Menschliche Eingriffe im Moor.     

Wie in vielen anderen Moorgebieten auch, wurde im großen Torfmoor im Zuge der wachsenden Besiedelung durch menschliche Eingriffe versucht, das Gelände mit Hilfe von Entwässerungskanälen für die Landwirtschaft trocken zu legen und nutzbar zu machen. Der dort zu findende Torf wurde wiederum mühevoll von Hand gestochen und diente im getrocknetem Zustand als Heizmaterial für die heimische Bevölkerung.

In späterer Zeit kam dann noch ein maschineller Torf-Abbau hinzu, welcher im Großen Torfmoor allerdings hauptsächlich der Gewinnung von Heilerde/Schlämmen für die medizinischen Bäder in den umliegenden Kurorten diente. Noch heute wird in diversen anderen Moorgebieten großflächig Torf abgebaut um ihn als billige, aber für die Natur leider teuer erkaufte Blumenerde für den heimischen Garten zu vermarkten.
Wer also etwas zu Schutz der Moore beitragen möchte, sollte möglichst auf Torfhaltige Blumenerde verzichten und sich statt dessen lieber einen Komposthaufen im Garten anlegen. Zumal Komposterde wesentlich nährstoffreicher als der naturgemäß nährstoffarme Torfboden ist. 

Schmetterling (Landkärtchen) im östlichen großen Torfmoor.

Insekten wie dieser Schmetterling (Landkärtchen) sind im östlichen Bereich des großen Torfmoor zu finden.

Schutz und Renaturierung des Großen Torfmoor.   

Anfang 1970 startete man schließlich erste Versuche, das Große Torfmoor durch Wiedervernässung und andere Maßnahmen, in den, vermeintlich, ursprünglichen Zustand zu versetzen. Um diesen ursprünglichen Zustand des Großen Torfmoors zu erfahren, bedurfte es vermutlich umfangreicher Bodenproben nebst entsprechender paläobiologischer Pollen- und Pflanzenanalysen aus den einzelnen ursprünglichen Moorbereichen, um Hinweise auf die frühe, nacheiszeitliche Vegetation dieses Gebietes zu bekommen.

Mit Hilfe der voran genannten Pollenanalyse lassen sich in etwa auch die damaligen klimatischen Verhältnisse rekonstruieren aber leider nicht wieder herstellen. Auch der Einfluss einer damals vermutlich völlig anderen Vegetation des Umlands (Wälder/ Bruchwälder, keine bzw. kleinere Ackerflächen) auf das damalige regionale Mikroklima, wird dabei außer Acht gelassen.

Es bleibt also nur die Möglichkeit, die Renaturierung z.B. mit Hilfe der Erfassung von positiven oder negativen Indikator-Pflanzen zu beobachten/lenken, um möglichst nahe an eine „Lehrbuch-Definition“ eines Hochmoores zu kommen. Für einen langjährigen Beobachter dieses Gebiets ist das augenfälligste Beispiel der Kernbereich des Großen Torfmoores, der nahezu komplett von Bäumen und größeren Büschen befreit wurde, um den Wasserverbrauch/die Verdunstung durch diese Pflanzen in diesem Gebiet zu drosseln.

Durch frühe, rigoros betriebene Maßnahmen der Wiedervernässung wäre ein Großteil dieser Baum- und Straucharten vermutlich auch von selbst abgestorben. Normalerweise entledigt sich ein gesundes und intaktes Hochmoor/Regenmoor von selbst seiner Bewaldung, da es die dort wachsenden Bäume etc. im Laufe der Zeit buchstäblich einfach ertrinken lässt. 

Wasserflächen im großen Torfmoor.

Die Wasserflächen im großen Torfmoor können die abgesägten Stümpfe der ehemaligen Pflanzen nicht mehr verbergen.  

Klimawandel und Lokalklima im Großen Torfmoor & Umgebung.   

Leider geht auch der allgemeine Klimawandel nicht am Kreis Minden Lübbecke vorbei und zeigt sich mit milderen, niederschlagsreichen Herbst und Wintermonaten sowie einem trockenen und teilweise sehr warmen Frühling und Sommer. Gerade in den Sommermonaten werden diese längeren Trockenperioden häufig nur durch örtliche Wärmegewitter unterbrochen.

Ein intaktes Moor hat hierbei auch einen, nicht unerheblichen Einfluss auf das regionale Wettergeschehen/Mikroklima, da es in den heißen Sommermonaten mit Hilfe seiner Feuchtgebiete/Seen/Tümpel Verdunstungskälte an die Umgebung abgibt und damit warme und mit hoher Luftfeuchtigkeit gesättigte Luftmasse zu Kondensation/Wolkenbildung anregt. Genauer gesagt, ein gesundes Moorgebiet hilft sich bei der Beschaffung von wichtigen Niederschlägen selbst. Wird die Wiedervernässung/Renaturierung allerdings nicht konsequent und in der passenden Reihenfolge betrieben, kehrt sich dieser Effekt vielleicht im schlimmsten Fall in das Gegenteil!

Der dunkle, im Sommer relativ trockene und mangels Bäumen, un-beschattete Torfboden, speichert die durch Sonneneinstrahlung erzeugte Wärme und gibt sie, besonders in den kühlen Abend und Nachtstunden, in Form einer über dem Gebiet stehenden Thermik-Blase wieder ab. Das Resultat ist, zumindest nach meinen Beobachtungen, dass die, in den Sommermonaten trotz Klimawandel immer noch entstehenden Wärmegewitter, von der Moor-eigenen Thermik verdrängt werden und den, für das Moor so wichtigen Niederschlag größtenteils im Umland abgeben. Das leider nicht intakte Moor gräbt sich also in den Sommermonaten vielleicht das Wasser und damit auch seine Lebensgrundlage selbst ab.

Auch der, in den Sommermonaten immer öfter ausbleibende Bodennebel über dem Großen Torfmoor zeigt meines Erachtens nach, dass die im Torfboden gespeicherte Wärme und mangelnde Luftfeuchtigkeit eine Kondensation verhindert. Die momentan laufende Ausdünnung des Baumbestands in den Randgebieten wird diesen Effekt wohl eher verstärken als abmildern. Ebenso wird auch dort nur ein kleiner Teil des geschlagenen Holz als, z.B. für Pilze und Insekten wichtiges Totholz in der Natur belassen. Gerade der westliche Teil des Moores mit seinen, leider immer kleiner werdenden Bruch- und Sumpfwäldern, sowie der östliche Bereich mit den nährstoffreicheren Frischwasser-Teichen, sollte daher in meinen Augen einfach unangetastet bleiben.

Selbst die größten Bäume sind in Minuten gefällt und für den Abtransport zerkleinert. Natürlich benötigten diese Bäume Wasser, aber sie stellten immerhin einen Lebensraum für diverse Tierarten dar, spendeten Schatten und dienten an den immer seltener werdenden Nebeltagen als Tau-Fänger. Den Lebensraum und die Brutmöglichkeiten, welche diese Bäume boten, Ist leider für Jahrzehnte verloren.  

Wildtieren wie dem Fuchs bietet das NSG großes Torfmoor leider keinen Schutz.

Wildtieren wie dem Fuchs bietet das NSG großes Torfmoor im Moment leider keinen Schutz.

Flora und Fauna im Großen Torfmoor.   

Natürlich freut es mich, wenn sich im umgestalteten Großen Torfmoor seltene oder selten zu beobachtende Vogelarten niederlassen, oder dieses Moor als Rast anfliegen, aber dieser, medial nutzbare Erfolg, sollte nicht zu Lasten der übrigen Flora und Fauna gehen. Das große Torfmoor und insbesondere seine noch mit Baumbestand bewachsenen Randgebiete bietet einer Vielzahl von Amphibien, Reptilien, Insekten und anderen Wildtieren und Pflanzen einen wichtigen Lebensraum. Es bleibt nur die Hoffnung, dass dieser vorhandene, intakte Lebensraum nicht einer dogmatischen Zielsetzung zum Opfer fällt. 

Ein weiterer, vielleicht sogar der wichtigste Grund zum Handeln, ist der dramatische, Arten-übergreifende Rückgang der Insekten-Population. Alleine in den vergangenen ca. 30 Jahren hat der Bestand an Insekten in Deutschland, laut aktuellen Studien, um ungefähr 75 Prozent abgenommen! Natürlich ist dies leider eine ortsübergreifende Situation und nicht der Renaturierung eines Moores und erst recht nicht dem Naturschutz anzulasten.

Der Bestandsrückgang ist vermutlich dem übermäßigen Einsatz von Insektiziden und Pflanzenschutz-Mitteln im Zuge von dem in jüngerer Zeit stark intensivierten landwirtschaftlichen Anbau von sogenannten Energie-Pflanzen wie z.B. Raps oder Mais zu-zuschreiben. Leider wird dieser wirklich ernst zunehmende Zustand von der Politik und den Naturschutzverbänden zwar registriert, aber passende Gegenmaßnahmen bleiben bisher, offensichtlich dank erfolgreicher Lobbyarbeit leider aus. Auch die vermeintlich, der Renaturierung dienenden Eingriffe im Großen Torfmoor, können den für uns alle folgenreichen Rückgang des Insekten-bestand in absehbarer Zeit nicht rückgängig machen. Vielleicht wäre unseren kleinen, aber lebenswichtigen Mitbewohnern schon ein wenig geholfen, wenn das Mähwerk etwas weniger exzessiv eingesetzt würde und das geschlagene Holz einfach im Moor verbleibt, oder besser gar nicht erst geschlagen wird. Der Erfolg wäre vielleicht erst in ein paar Jahren sichtbar, aber dies sollte doch abseits aller Marketing-Strategien und Beschäftigungsmaßnahmen, die Sache wert sein? 

Die andere Alternative wäre wahrscheinlich eine, mangels Bestäuber-Insekten leere Obst- und Gemüse-Theke im Supermarkt. Und ein, mangels Nahrungsgrundlage für Amphibien, Reptilien, Vögel, etc., sehr stilles Moor. Veränderte Umstände sollten vielleicht zu einer anderen Handlungsweise führen, bei der es zumindest aus meiner Sicht wünschenswert wäre, dass die Prioritäten der Vergangenheit weniger Einfluss besitzen.    

DIE WENIGER SCHÖNEN SEITEN IM GROßEN TORFMOOR UND AKTUELLE VERÄNDERUNGEN:

Leider wird durch unüberlegten Aktionismus auch Etliches zerstört,
was in Jahrzehnten gewachsen ist...

Jagd im großen Torfmoor 2021-22

Offensichtlich gibt es im Dezember/Januar 2021/22 wieder eine größer angelegte Jagd im Naturschutzgebiet.

Da es zu dieser Jagd und der zeitlichen Durchführung im Großen Torfmoor vorab leider keine öffentlichen Informationen gibt, kann es unter Umständen passieren, dass Besucher das Moor nicht betreten dürfen. Weitere Einzelheiten oder ein Statement bezüglich der Jagd in einem Naturschutzgebiet gibt es von den verantwortlichen Institutionen und Vereinen im Moment nicht. 

Ein lesenswerter Artikel zu diesem Thema kommt interessanterweise vom NABU Schleswig-Holstein: 
https://schleswig-holstein.nabu.de/politik-und-umwelt/landnutzung/jagd/fakten-hintergruende/03841.html  

Moore und Klimawandel.

Ein wertvoller CO2 Speicher und die leider unschöne, aber verdrängte Realität des Klimawandel. 

Vielleicht nicht Tagesaktuell. Aber in Hinblick auf den Moderationsprozess im Landschaftsraum Großes Torfmoor und Bastauniederung sollten auch zukünftige örtliche Voraussetzungen nicht aus den Augen verloren werden. 

Die Fähigkeit eines Moores CO2 zu speichern, ist maßgeblich mit seinem Wasserstand verknüpft und damit von ausreichenden, regionalen Niederschlägen abhängig. Ein trockenes Moor speichert nicht nur weniger CO2, es besitzt auch einen anderen Wärmehaushalt. In der Segelfliegerei werden diese trockene Moorgebiete übrigens auch als Thermiköfen bezeichnet, da der dunkle, trockene Torfboden insbesondere in den Abendstunden, wenn im Umland keine andere Thermik mehr stattfindet, noch gespeicherte Wärme abgibt.

„Eine trockene Torfoberfläche kann Temperaturen von über 60 ° C erreichen.“ * Es hängt also von der zukünftigen Niederschlagsmenge ab, ob die Eingriffe im Großen Torfmoor einen Sinn ergeben, oder, auf Grund falscher oder ignorierter Prognosen das Lokalklima vielleicht sogar negativ beeinflussen.

Eigentlich sollte ständiges „Nachbessern“, in Form von maschinellen Eingriffen zu Erweiterung oder Erhaltung, sowie eine weitere Abholzung der Randgebiete des Großen Torfmoor nicht mehr nötig sein. Zumindest dann, wenn die Aussagen der verantwortlichen Vereine bezüglich eines „funktionierenden Hochmoors“ glaubhaft wirken sollen. Dem Kreis Minden-Lübbecke ist dies offensichtlich egal, solange das aktuelle Stichwort „CO2 Speicher“ fällt. Ich finde es persönlich aber sehr schade, dass ein wertvolles Gebiet wie das Große Torfmoor inklusive seiner Bewohner ohne Hinterfragen und öffentlicher Darstellung der jeweiligen Eingriffe, Vereinen überlassen wird, welche sich bezüglich Transparenz leider noch im 20. Jahrhundert wohlfühlen. Vielleicht gibt es die passenden Erklärungen ja demnächst in der „Lauschtour App“? Lukrative Wege in die Zukunft werden gerne genommen. Ob die örtliche, nicht immer marketing technisch, verwertbare Flora und Fauna dabei auf der Strecke bleibt, ist dabei eine andere Frage. Unser Großes Torfmoor liegt leider nicht in einer nennenswerten Landschaftssenke und ist ohne den Baumbestand in den Außenbereichen leider komplett der immer wärmer werdenden Witterung ausgesetzt.   

*Quelle: https://www.klima.tu-berlin.de/klimatische_charakteristiken_von_mooren 

Seltene Arten im großen Torfmoor

Eine weitere Art, die neben dem Nutria, mittlerweile im Großen Torfmoor heimisch geworden ist. 

Dieses "Tier", welches sich im Großen Torfmoor sichtlich wohlfühlt und schon seit mindestens 15 Jahren dort vorkommt, ist meines Erachtens nach, ein Bagger. Eigentlich ist es traurig, dass die Einleitung vom vorangegangenen Beitrag mit ein paar Anführungszeichen auch zu diesem Bild passt.
Die Aufnahme ist vom 14.08.2021. Vermutlich müssen Bagger, Motorsäge und Mähwerk auch weiterhin eingesetzt werden, um der Öffentlichkeit und damit auch den Geldgebern ein zumindest optisch funktionierendes Hochmoor zu präsentieren, welches in einer intakten Form diese Eingriffe eigentlich nicht nötig hätte. Leider werden diese konkreten Eingriffe in einem Naturschutzgebiet, in den Jahresberichten der verantwortlichen Orts-Vereine nicht aufgeführt oder erklärt. Anstatt aufzuführen, wie viele (kommerziell genutzte?) Obstbäume an anderer Stelle gesetzt wurden, wäre es vielleicht unter anderem, auch interessant, wie viele Kubikmeter Holz in den letzten 20 Jahren aus dem Großen Torfmoor entnommen wurden und was damit geschehen ist?

Natürlich werde ich von diesen Vereinen wie dem NABU, oder der Biologischen Station vermutlich als Spinner, Querulant oder eben als Möchtegern-Landschaftsökologe bezeichnet. Dies ist mir aber (ostwestfälisch ausgedrückt) ziemlich scheiß egal, solange diese Vereine ihre oft beworbene Transparenz nicht als nachvollziehbare Zahlen/Informationen darstellen und öffentlich machen. Zu Erinnerung: Mir geht es nicht um ein werbewirksam vermarkt-bares „echtes Hochmoor“ sondern um ein wichtiges Naturschutzgebiet, welches offensichtlich ohne kritische Nachfragen in die Hand von, zumindest nach meinen aktuellen Erkenntnissen, der Öffentlichkeit wenig auskunftsfreudigen Vereinen gelegt wurde.

Um in groben Zügen nachzuvollziehen, welche persönliche Einstellung ich zu diesem und anderen schutzwürdigen Gebieten habe, schaut Euch einfach mal diese sehr interessante Diskussion in der ZDF Mediathek an: Unser Wald – Klimaretter oder Klimaopfer?
Grob umrissen geht es eigentlich um unseren deutschen Wald, aber in der Kernaussage passt diese Diskussion auch zu unserem Großen Torfmoor.

Herr Precht teilt, insbesondere bezüglich der Corona-Pandemie mittlerweile sehr merkwürdige Ansichten, von denen ich mich hier ausdrücklich distanziere. Interessant sind aber die Aussagen und Argumente von Herrn Wohlleben bezüglich Naturschutz und Eingriffe in die Natur.

Nutria im großen Torfmoor

Das Große Torfmoor aus der verschwommenen Sicht eines Möchtegern-Landschaftsökologen... 

Dieses Tier, welches sich im Großen Torfmoor sichtlich wohlfühlt und schon seit mindestens 15 Jahren dort vorkommt, ist meines Erachtens nach, ein Nutria. Diese Tiere stammen ursprünglich aus Südamerika und sind vermutlich aus ehemaligen Pelzfarmen hier heimisch geworden. Die mit dem Meerschweinchen verwandten Nutria zählen somit zu den Neozoen, welche sich mit menschlicher Hilfe hier ansiedeln konnten, aber aus diversen Gründen nicht erwünscht sind. Nutrias ernähren sich fast ausschließlich vegetarisch und in diesem Bereich des Großen Torfmoores bleibt ihnen auch nichts anderes übrig, da Schnecken und Süßwasser Muscheln, welche sonst vereinzelt auf dem Speiseplan stehen, dort leider nicht mehr vorkommen. Der Östliche/Südöstliche Bereich kann es also nicht sein. ;-)

Da ich in den Sozialen Medien/Netzwerken von einem NABU-Vorstandsmitglied und zertifizierten Landschaftsführer als „Möchtegern-Landschaftsökologe, welcher sich lieber den Sachen widmen sollte, die ihm liegen“, betitelt wurde, verzichte ich jetzt mal auf Ortsangaben/ Aufnahmedatum und habe die Umgebung unkenntlich gemacht, damit das Tier keine Probleme von Professionellen-Landschaftsökologen bekommt.
Als Möchtegern-Fotograf belasse ich es beim Fotografieren und biete lieber keine Hilfe zum Selektieren.

Nutria, Waschbär, Marderhund, Nilgans, etc. sind hier (auch mit Hilfe des Menschen) angekommen und heimisch geworden. Die Dezimierung dieser Tiere wird ohne größere Kollateralschäden schwierig und mit dem Klimawandel werden wohl noch einige andere Arten dazukommen. Vermutlich ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis z.B. die ersten Tigermücken im Moor angekommen sind und die verursachten Probleme der voran genannten Tiere in ein anderes Licht rücken. Die Natur kümmert sich leider nicht um den Naturschutz, ansonsten hätte sie es beim Neandertaler belassen und sich mit dem Homo Sapiens nicht selbst ein Bein gestellt. Aber auch dafür findet sie eine Lösung und dies wäre dann die erste evolutionäre Sackgasse, welche durch bewusste Überheblichkeit und Rücksichtslosigkeit der betroffenen Spezies zustande gekommen ist. Glückwunsch! Wir sind vielleicht die Ersten! Wollten wir nicht immer ganz Vorne mit dabei sein? 

Als diplomierte Spezialisten eures Fachs solltet ihr eure, unter anderem hier genannten Eingriffe im Großen Torfmoor, schon sehr ausführlich und vor allem zeitnah und nachvollziehbar erörtern. Andernfalls könnte man Euch in die Reihe der „Diplomierten Fachleute“ einreihen, welche auch den Berliner Flughafen, die Schachtanlage Asse als Atommüllendlager, oder die Titanic geplant haben, um nur ein paar Beispiele zu nennen. 
    
p.s. Nutrias benötigen übrigens weder Motorsäge, Bagger oder Mähbalken, um künstliche Uferbereiche naturnah umzugestalten. :-)                              

Trockenheit im Großen Torfmoor.

Das Große Torfmoor hat 2021 noch einmal Glück gehabt? Leider nicht!

Schade! Obwohl es Anfang des Jahres noch ein wenig Hoffnung für den Wasserhaushalt des Großen Torfmoores gab, zeigt sich aktuell (Mitte August 2021) ein ganz anderes Bild. Trotz der teilweise katastrophalen Niederschläge in NRW und Umgebung konnte das Große Torfmoor nicht von diesem regenreichen Sommer profitieren.

Nach meinen Beobachtungen scheinen die örtlichen Niederschläge auch dieses Jahr nicht zu reichen um ein funktionsfähiges, wachsendes Hochmoor zu generieren. 

Die Erklärung hierfür sollte eigentlich von den verantwortlichen Organisationen kommen, zumal das Große Torfmoor damit seiner momentan, Medien und Öffentlichkeitswirksamen Rolle als CO² Speicher nicht  mehr nachkommen kann. Der aktuelle Moderationsprozess im Kreis Minden-Lübbecke könnte und sollte diesen Umstand vielleicht auch berücksichtigen, um im Zweifelsfall einen „Plan B“ für dieses biologisch sehr wichtige Gebiet "in der Tasche zu haben".   

Bruchwald im Großen Torfmoor.

Eine Kampfzone im Großen Torfmoor?

Nachdem auf anderen Schautafeln schon die Birken als „Feinde des Moores“ herhalten mussten, geht es jetzt genauso martialisch weiter: Aus dem westlichen Randgebiet des Großen Torfmoores wird eine „Kampfzone“ gemacht! Na ja, man greift eben einfach auf den vertrauten Wortschatz zurück... Birken und andere Bäume würde ich bestenfalls als „Konkurrenten des Moores“ bezeichnen. Insbesondere, um Besuchern nicht zu suggerieren, dass Birken oder andere Bäume quasi als „Unkraut“ in einem Naturschutzgebiet gelten. Aber vielleicht ist genau dies gewollt?

Der sumpfig-feuchte Bruchwald war vielleicht zu Zeiten der Varusschlacht eine Kampfzone und momentan erinnern wirklich einige Teile an einen Truppenübungsplatz, aber eigentlich ist dieser Übergangsbereich in unserem, topographisch eher flachen Gebiet, völlig normal. Leider hat das natürlich entstandene Moor-Randgebiet an manchen Stellen die „Schlacht“ schon verloren, da im südlichen Bereich des Großen Torfmoores bereits eine große Lücke gesägt wurde. Vermutlich, um den eher wenig frequentierten Aussichtsturm am Moorweg in Nettelstedt zu rechtfertigen.

Im Gegensatz zu den Aussagen in der App sind viele Bäume dort nicht durch einen gestiegenen Grundwasser-Pegel abgestorben, sondern einfach durch den, sehr ungleichen "Kampf" mit der Motorsäge. Für die Einbindung in diese App hat die NRW-Stiftung übrigens 34.500,- Euro Fördergeld hingelegt.* Respekt, liebe Naturschützer! Das hilft unserer örtlichen Flora und Fauna natürlich weiter, auch wenn sie leider kein GPS hat.

*Quelle: https://www.nw.de/lokal/kreis_minden_luebbecke/luebbecke/22462879_Eine-digitale-Lauschtour-fuehrt-durch-das-Moor.html 

Aktueller Wasserstand im Großen Torfmoor

Das Große Torfmoor hat 2021 noch einmal Glück gehabt!

Neben vielen anderen Faktoren hat insbesondere das Wetter einen wichtigen Einfluss auf ein, sich selbst erhaltendes Hochmoor bzw. Regenmoor. Wie der Begriff „Regenmoor“ schon vermuten lässt, ist das Große Torfmoor, zumindest westlich des Geestmoordammes also auf ausreichende Niederschläge angewiesen. Um dort ein Wasserreservoir für ein intaktes und funktionierendes Hoch/Regenmoor auch über die Sommermonate zu halten, sind ausreichende Regen/Schneemengen im Herbst/Winter, oder passender Niederschlag im Frühjahr und Sommer wichtig. Leider haben die extrem trockenen Jahre 2019/2020 diese Kriterien bei weitem nicht erfüllt und stellten damit, nicht nur Marketing-technisch, sondern insbesondere für die momentan noch vorhandene Flora & Fauna ein großes Problem dar. Nach dem aktuellen Stand, Ende Mai 2021, hat sich die Lage für unsere „Viecher & Pflanzen vor Ort“ glücklicherweise ein wenig entspannt. Man kann nur die Daumen drücken, da es eigentlich nur darum gehen sollte!

Großes Torfmoor Karte.

Vorschlag für eine kurze Rundwanderung um das östliche, große Torfmoor.

Der östliche, vermutlich artenreichste Teil des Naturschutzgebietes: Die Teiche und Gewässer im östlichen Großen Torfmoor besitzen eine Wasserqualität, die einen Jahrzehntealten, stabilen Bestand an Teichmuscheln und div. Fisch-arten ermöglicht hat. Auf Grund dieser Umstände und des damit einhergehenden Nahrungsangebotes hat sich dort, neben dem Eisvogel, Haubentaucher, Silberreiher und anderen Arten auch eine kleine aber stabile Kolonie Kormorane angesiedelt. Interessanterweise ist der Wasserpegel dieses Gebiets auch in den letzten, sehr trockenen Jahren immer weiter angestiegen, obwohl diese Gewässer noch aktive Entwässerungskanäle in die Flöhte aufweisen. Dies führte in jüngster Zeit dazu, dass ein größerer Teil des Baumbestands dort abgestorben ist. Vermutlich wird dieser Bereich also nicht ausschließlich von Regenwasser gespeist. Auch die unterschiedliche Wasserfärbung, welche die Luftaufnahme zeigt, würde dazu passen. Allein von der Artenvielfalt, der Qualität der Gewässer und dem momentan funktionierenden, biologischen Gleichgewicht in diesem Gebiet, sollte der östliche Abschnitt also nicht einem Hochmoor zugerechnet werden. Es bleibt nur zu hoffen, dass dieses wertvolle Kleinbiotop damit vom Ziel einer Hochmoor-Renaturierung ausgeklammert wird und nicht einer "size matters" Politik mit Fördergeld-Maximierung zum Opfer fällt.    

Jagd im großen Torfmoor 2020

Jagd auf Wildschweine im Naturschutzgebiet Großes Torfmoor Dez./Jan. 2020/21.

Eine bevorstehende Jagd auf eine Überpopulation Schwarzwild/Wildschweine hätte bezüglich der zahlreich aufgestellten Hochsitze problemlos erklärt werden können. Warum diese Jagd unbedingt im Kernbereich eines Naturschutzgebietes stattfinden muss, wäre eine vorherige Information der verantwortlichen Vereine wert gewesen. Update 25.01.2021: Mittlerweile sind die Hochsitze wieder aus dem Großen Torfmoor entfernt worden. Ob eine erfolgreiche Jagd stattgefunden hat, ist aus öffentlichen Quellen leider nicht zu erfahren.  

Wiedervernässung im großen Torfmoor?

In vorhandene Gewässer eingebrachter Baum/Ast-schnitt im Naturschutzgebiet Großes Torfmoor Nov. 2020.

Während in anderen Bereichen des Großen Torfmoors publicity-trächtig neue Tümpel gebaggert werden, wird, nicht nur im westlichen Teil, ein eine Reihe lange bestehender Gewässer offensichtlich künstlich verlandet. Sind dies keine wertvollen Laich-Gewässer? Warum gibt es keine Informationen darüber?   

Renaturierung im großen Torfmoor?

Eingesetzte Pflanz-kästen mit Binsen-Besatz im Großen Torfmoor Nov. 2020.

Diese merkwürdigen Pflanz-kästen werden schon seit längerer Zeit in den Gewässern im Großen Torfmoor eingesetzt, aber offensichtlich ist niemand dafür verantwortlich. Wozu sind sie gedacht und in welcher Weise dienen sie einer Renaturierung?  

Gefällte Pappeln im großen Torfmoor

Zum Abtransport bereitliegender Baumschlag im Naturschutzgebiet Großes Torfmoor.

Ein großer Teil des landschafts-prägenden Baumbestands aus Pappeln, Birken, Erlen und anderen Baumarten ist mittlerweile nicht nur im Moor, sondern auch aus dessen Randgebieten entfernt worden. Tierische Bewohner, die diese Bäume als Refugium nutzten, werden einem schnellen, „optischen“ Erfolg geopfert. Die, 2013 in den örtlichen Medien versprochenen Neuanpflanzungen von ortsüblichen Bäumen, habe ich bis heute nicht gesehen.  Eine Erklärung seitens der Verantwortlichen wäre nett und leider auch längst überfällig! 

Insekten im großen Torfmoor

Brennessel-Grünrüssler Phyllobius urticae.

Viele, der stark rückläufigen Insekten- und Spinnen-arten, sowie Reptilien und Amphibien, benötigen unberührte Moor- und Feuchtwiesen für ihren Nachwuchs und zum Überwintern. Leider werden diese wichtigen Lebensräume im Früh- und Spätsommer, häufig zusammen mit Ihren Bewohnern, maschinell gemäht. Was hat dieses Vorgehen im Großen Torfmoor mit Naturschutz und insbesondere mit Insektenschutz zu tun?  

Verstümmelte Schwarzerle im großen Torfmoor

Verstümmelte Schwarzerle im Großen Torfmoor.

Obwohl diese durch Windlast gekippte, aber nicht abgestorbene Erle im Großen Torfmoor verkehrstechnisch unbedenklich in eine kleine Feuchtwiese gefallen ist, wurde sie zum größten Teil zersägt und abtransportiert. Vermutlich war dieser Baum älter als die Verantwortlichen für diese Aktion. Aber wer ist dafür verantwortlich?

Gefällte Kiefer im großen Torfmoor

Diese einsam stehende Kiefer war einmal Orientierungspunkt für Mensch und Tier.

Eine, ehemals einzeln stehende Kiefer im nördlichen Randbereich des Großen Torfmoor. Auch dieser Baum wurde gefällt und das von den Verantwortlichen als wichtig hervorgehobene Totholz, abtransportiert. Das Holz und dieser Baum ist damit für die darauf angewiesenen Organismen verloren. Diese einzelne Kiefer hat niemanden gestört. Warum? 

Gefällte Erlen im großen Torfmoor

Die Erle: lt. Wikipedia (Stand 18.04.2020, Großes Torfmoor) einer der typische Bruchwaldbäume...  

Zitat: Wikipedia, 18.04.2020, Entstehung: „...Stauwerke eingezogen und die atypischen Gehölze gefällt, da diese im jetzt wieder deutlich feuchteren Hochmoor abgestorben wären. Im Gegenzug wurden aber typische Bruchwaldbäume wie Erlen aufgeforstet“.

Meine Frage: Warum werden „atypische Gehölze“ gefällt, wenn diese durch die Wiedervernässung von selbst abgestorben wären? Brennholz statt wichtiges Totholz? Die letzten beiden Bilder zeigen überwiegend gefällte oder abgesägte Erlen! Wo sind die erwähnten Neuaufforstungen und warum wurden hier vorher „typische Bruchwaldbäume“ gefällt? Ein bisschen mehr Sinn + Verstand, bzw. Ehrlichkeit würde den Vereinen, welche im Großen Torfmoor und offensichtlich auch auf Wikipedia ihr Marketing betreiben, sicherlich gut zu Gesicht stehen!  

Persönliches Fazit.

Vielleicht bin ich einfach nur ein typisch ostwestfälischer Dickkopf, der sich ohne Ausnahme für alle Bewohner des Großen Torfmoor einsetzt, weil er mit Ihnen dort aufgewachsen ist… Vielleicht sehe ich das Große Torfmoor und seine Flora & Fauna durch den Sucher meiner Kamera auch nur ein bisschen ortsübergreifender… Als einen wichtigen, klimatisch- und biologisch-relevanten Teil unserer Region und Landschaft!

Im Idealfall wird das Große Torfmoor wirklich innerhalb einer absehbarer Zeit zu einem vorzeigbaren und den Lehrbüchern entsprechenden Hochmoor/Regenmoor renaturiert. Unter Umständen wird dies aber auch nicht so schnell, bzw. auf Grund von Fehlentscheidungen oder dem Klimawandel gar nicht geschehen. Vielleicht sollten die Verantwortlichen das Hauptaugenmerk bei der Renaturierung deshalb eher auf eine, möglichst breite biologische Vielfalt und Artenreichtum setzen. Auch, wenn das Ergebnis vielleicht Marketing-technisch nicht optimal verwertbar ist. Ein intaktes Moor speichert im Idealfall große Mengen CO2, aber jeder Baum oder Strauch in diesem Naturschutzgebiet dient schon heute als CO2 Speicher. Dabei ist es völlig unerheblich, ob er als lebender Organismus oder als Totholz im Moor verbleibt. Zumindest sollte er aber nicht als finanziell lukratives, aber CO2 emittierendes Brennholz aus dem Großen Torfmoor entfernt werden, oder zu "unauffälligen" Verlandung der vorhandenen Gewässer dienen. Auch die durch den ehemaligen Torfabbau entstandenen Gewässer, wurden im Laufe der Zeit zu einem vielfältigen Lebensraum für Amphibien, Fische, Weichtiere und Insekten. Diese Gewässer jetzt aktiv zu verlanden oder zu zuschütten, um wiederum an anderer Stelle neue, durch einen Bagger entstandene und somit ebenfalls künstliche Gewässer zu schaffen, ist zumindest in meinen Augen, nur durch einen Fördergeld oder Werbewirksamen Aktionismus zu erklären. Die biologisch wichtigen Moor- und Magerwiesen in den Außenbereichen des Großen Torfmoor werden einerseits als ein vielfältiger Lebensraum dargestellt, aber andererseits von den Verantwortlichen rigoros gemäht, wenn es die leider immer häufiger zu niederschlagsarme Wetterlage zulässt.

Trotz dieser persönlichen Kritikpunkte ist das Große Torfmoor durch seine, zumindest im Moment immer noch vielfältige Flora und Fauna, ein lohnendes Ziel für jeden Besucher, welcher dieses Gebiet mit Respekt für seine Bewohner und im Zweifelsfall auch mit einem kritischem Auge betrachtet. Insbesondere in den Abendstunden oder Früh-morgens wird die Landschaft häufig in ein wunderbares Licht getaucht.

Erlebt und genießt das Große Torfmoor als vielfältigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen! Wer möchte, das dies so bleibt, der darf dort gerne Fragen stellen und sollte sich im Zweifelsfall nicht mit stereotypen Antworten zufrieden geben.

Das Große Torfmoor: Tipps für Besucher. 

Auf den ausgeschilderten Parkplätzen, rund um das große Torfmoor wurden in den letzten Jahren des öfteren Fahrzeuge aufgebrochen.
Aus diesem Grund sollten besser keine Wertgegenstände im Auto verbleiben.

Hunde sollten nach Möglichkeit ganzjährig an die Leine genommen werden, damit sie nicht eventuell aufgescheuchten Hasen, Rehen, etc. nachstellen können. Ich selbst habe in letzter Zeit ein paar mal Hilfe bei der Suche nach entlaufenen Hunden leisten müssen, die laut Besitzer „noch nie auf Wild angeschlagen haben“.

Mücken, Bremsen und Zecken können in den Sommermonaten lästig werden. Man sollte aber bedenken, dass man sich in ihrem Territorium bewegt und nicht umgekehrt. Im Bedarfsfall kann ein Mückenschutzmittel, langärmelige Kleidung und lange Hose also von Vorteil sein.

Wildtiere sind immer ein lohnenswertes Motiv für einen Naturfotografen. Trotzdem sollte man Ihnen natürlich nicht nachstellen, sondern einfach eine längere Brennweite nutzen. Wer sich ruhig und langsam im Moor bewegt, hat generell mehr Chancen auf passende Aufnahmen. Brutgelege, Nester und vermeintlich verwaiste Jungtiere sind „no go Area“ ! 

Plastikflaschen, Tüten, Verpackungen und anderer Abfall haben im Moor nichts zu suchen, also bitte wieder mitnehmen! Wer beobachtet, 
dass dort illegal Müll entsorgt wird, sollte sich, wenn möglich, die Kennzeichen merken und an die Lübbecker Stadtverwaltung, oder das Kreisumweltamt wenden. 

Die, teilweise mit Obernkirchner Sandstein geschotterten Rundwege im nördlichen Teil des großen Torfmoors, sind bei Nässe selbst mit guten Wanderschuhen sehr rutschig. Dies gilt auch für die angelegten Holz-Stege.

WEITERE AUFNAHMEN AUS DEM GROßEN TORFMOOR...

... gibt es in der Fotogalerie unter der Rubrik "Natur und Landschaft" zu sehen.

Fotopunkte:


Großes Torfmoor & Wiehengebirge


Ein kleine Orientierungshilfe:

Für mehr Details einfach
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© Kai Hormann
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KAI HORMANN PHOTOGRAPHY
Natur- und Landschaftsfotografie aus dem Kreis Minden-Lübbecke. © Kai Hormann 2006-2022
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