NATURSCHUTZ IM MOOR?

Warum ich die Eingriffe des NABU und der Biologischen Station im Großen Torfmoor und Umgebung kritisch sehe:




Warum ich die Eingriffe des NABU und der Biologischen Station im Großen Torfmoor und Umgebung kritisch sehe:

Diese persönliche Einschätzung der Vorgänge im Großen Torfmoor, Bastauniederung und näheren Umgebung bezieht sich hauptsächlich auf die Ortsgruppen der jeweiligen Vereine, welche diese Maßnahmen ausführen und zu verantworten haben. Kontakte mit Naturschutz-Interessierten aus anderen Kreisen und Regionen zeigen aber erkennbare Parallelen in der Vorgehensweise und öffentlicher Darstellung. 

Allerdings möchte ich hier noch einmal klarstellen, dass es sich bei dieser Kritik NICHT um ein generelles „Naturschutz-Bashing“ handelt! Jede Organisation, jeder Verein und ganz besonders auch jedes persönliche Engagement mit dem Ziel eines realistischen, nicht ausgrenzenden Naturschutzes ist heute wichtiger denn je.  

Wenn unsere, ehemals sehr artenreiche Umgebung allerdings ohne jegliche Rücksichtnahme auf die örtlich vorhandene Flora und Fauna platt gemacht wird, steht die Natur wohl eher nicht an erster Stelle. Für mich ist es daher ein zweifelhafter Erfolg, wenn vom NABU/der Biologischen Station seltene Arten und Unmengen von alten Baumbeständen durch andere seltene Arten ersetzt werden. Der Gewinn für die örtliche Natur ist damit bestenfalls gleich Null! Die, von den Vereinen gerne zitierten Hinweise auf frühere Zustände, halte ich insbesondere auf Grund des Klimawandels und damit der Umsetzbarkeit, für mittlerweile hinfällig. Unsere aktuelle Umgebung war im Laufe der Erdgeschichte u. A. ein Moorgebiet, Weserflussbett, Eiszeitlicher Gletscher, Waldgebiet, oder ein urzeitliches, subtropisches Flachwasser-Meer.         

Über diesen Artikel, oder: "Wie man in den (abgeholzten) Wald hinein ruft, so schallt es (nicht) heraus".

Mir ist bewusst, dass in diesem Text an einigen Stellen Sarkasmus und Ironie zu finden ist. Diese, bei mir quasi angeborene Ausdrucksweise, wird in letzter Zeit aber auch gerne unter dem negativ besetzten Begriff „Polemik“ zusammengefasst und bietet damit für die Kontrahenten ein sehr bequemes Vorgehen: Mit dem Vorwurf der Polemik wird dem Verfasser eine gewisse Unsachlichkeit und verletzende Ausdrucksweise unterstellt, welche von den Angesprochenen ebenso gerne als Grund für eine verweigerte Diskussion oder Argumentation genommen wird. Da diese Diskussion nie ernsthaft stattgefunden hat und aus heutiger Sicht auch nicht stattfinden wird, sehe ich darin kein Problem. Leider habe ich bezüglich des Großen Torfmoor und Bastauniederung auch keinen Illusionen mehr, da viele der Eingriffe auf absehbare Zeit irreversibel sind. Die aktuelle Vorgehensweise ist für die verantwortlichen Vereine, Politik und anhängige Lobbygruppen offensichtlich zu verlockend, um Fördergelder, Publicity oder Privilegien für ein bisschen wirklich unberührte Natur aufs Spiel zu setzen.   

Sollte man sich von diesen vermeintlich scharfen Worten schon verletzt fühlen, könnte man vielleicht auch einmal scharf über die einschneidenden Maßnahmen mit ebenso scharfer Motorsäge, Mähbalken und ähnlichem Gerät, nachdenken. Wer unsere Natur und ihre Bewohner nur als „Sache“ wahrnimmt, wird hier mit Sicherheit auch „Unsachlichkeit“ finden. 

Eine Aussage, welche ich auf eine Frage bezüglich der Abholzung und dem Verbleib von Totholz im nördlichen großen Torfmoor vor längerer Zeit einmal bekommen habe, lautete ungefähr so: „Die gesägten Bäume wurden aus dem Moor entnommen, da das Abholzen ja leider auch Geld kostet.“

Eine gewisse Form von Ironie und Sarkasmus ist also auf beiden Seiten vorhanden…  

Die Vereine:

In Nordrein-Westfalen sind Biologische Stationen, genau wie der NABU als eingetragene Vereine organisiert und sollten damit gemeinnützigen Zwecken dienen. Neben diversen Bildungsangeboten zählt dazu hauptsächlich und insbesondere der Schutz unserer Natur. Die sinnvollste, nachhaltigste und nicht zuletzt, auch kostengünstigste Form des Naturschutzes bedeutet für mich die Schaffung von möglichst unberührten Schutzgebieten für Tiere und Pflanzen. Dies kann erreicht werden, in dem man frühere Eingriffe wie z.B. Entwässerungsgräben im Großen Torfmoor/ Hiller Moor rückgängig macht und diese Flächen damit der Natur einfach zurückgibt. Spätestens seit der Eröffnung des Moorhus frage ich mich aber, ob nicht eher die Vermarktung des Großen Torfmoores und Umgebung oder die langfristige Schaffung von eigenen Existenz- und Fördergeld-Grundlagen das eigentliche Ziel dieses Naturschutzgebietes ist.

Vielleicht täusche ich mich, aber mir fällt auch nach längeren Nachdenken leider keine Fläche im Kreis Minden-Lübbecke ein, welche vollständig und ohne weitere Eingriffe seitens der Vereine der Natur überlassen wird.

Aktuelle Aktionen, Eingriffe und Maßnahmen im und um das Große Torfmoor herum, werden der Öffentlichkeit in der Regel nur dann mitgeteilt, wenn es sich nicht vermeiden lässt, oder Vorteile daraus generiert werden können. Berichte z.B. über ein aktuelles Jagd-Event in einem Naturschutzgebiet, den Verbleib der unzähligen, geschlagenen Bäume, oder die irgendwie hilflos in Moorgewässer geschmissenen Pflanzkästen findet man eher nicht, um nur ein paar Beispiele zu nennen.      

Nachhaltigkeit vs. Bewirtschaftung.

Der Duden definiert den Begriff „Nachhaltigkeit“ als 1. „längere Zeit anhaltende Wirkung“ und 2. „Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann.“ Da die zweite Bedeutung dieses gerne genutzten Schlagwortes aus dem Bereich Ökologie herrührt, schließe ich daraus, dass die erste Definition für die verantwortlichen Vereine eher nachranging ist.

Das Große Torfmoor/ Hiller Moor wird seit den Anfängen der Renaturierungsmaßnahmen in den 70er Jahren, mit offenbar nicht endenden Holzeinschlag, Mahd, Beweidung, Jagd und zunehmender Kommerzialisierung eher bewirtschaftet als langfristig an die Natur zurückgegeben.
Alleine die großflächigen Abholzungen, insbesondere im Umland und den Übergangsbereichen des Großen Torfmoores, hätten im Sinne von Nachhaltigkeit längst passende Neuanpflanzungen vor Ort zu Folge haben sollen. Optimal und kostengünstig wären Flächen, auf denen einfach die Natur und nicht die Vereine über Bewuchs und Bewohner entscheidet. Leider ist nichts davon in nennenswerter Größenordnung realisiert worden.

Befürchten die verantwortlichen Vereine vielleicht, dass unsere Natur es auch ohne externe Eingriffe hinbekommt? Zu Erinnerung: Diese Maßnahmen starteten in den 70er Jahren. Gibt es keine bessere Beschäftigung, als den Übergangsbereich zwischen den äußeren Niedermoor und dem funktionierenden (?) Hochmoorbereich so lange mit der Motorsäge zu bearbeiten, bis er, zumindest optisch wie ein Hochmoor aussieht? Allen Anschein nach ist der Weg das eigentliche Ziel von NABU und Biologischer Station. 

Böse Silberpappeln und Birken oder wertvolle Kopfweiden?

Die vorhandene/ehemals vorhandene Flora und Fauna im Großen Torfmoor und Umgebung wird vom NABU/der Biologischen Station unterschwellig, aber nicht zu übersehen in die Kategorien „hinderlich, entbehrlich und schädlich“ oder „wertvoll und förderwürdig“ eingeordnet. Ehemalige Birkenbestände, welche sich, trotz regelmäßiger Abholzung, hartnäckig der Renaturierung/Wiedervernässung widersetzen und pädagogisch wenig sinnvoll, als „Feinde des Moores“ dargestellt werden, gehören genauso dazu, wie die hier landschaftsprägenden großen Silberpappeln, oder auch die mit Fischen und Teichmuscheln besetzten, aber Hochmoor-untypischen Gewässer im östlichen großen Torfmoor.

Bei der Einweihung des Moorhus im Jahr 2013 wurde diese Einordnung sehr deutlich, als im Vorfeld der Veranstaltung eine Reihe großer Pappeln in Sichtweite des Moorhus, aber im vermeintlich, „medialen Windschatten“ der Einweihungsfeier gefällt wurden. Dieser Eingriff im Übergangsbereich des Großen Torfmoor, aus Gründen des Naturschutzes war damals leider nur der Anfang. Gleichwertige Eingriffe in den Randgebieten ziehen sich bis in die jüngste Gegenwart, haben mittlerweile große Lücken in den äußeren Bereichen des Großen Torfmoores und der Bastauniederung hinterlassen und werden sich vermutlich auch fortsetzen. Zumindest dann, wenn die vorherigen Eingriffe Großen Torfmoor durch ausbleibende Niederschläge nicht den gewünschten Erfolg bringen.

Laut damaliger Aussage der Verantwortlichen, hätten diese mächtigen und damit auch als Brutplatz/Lebensraum relevanten Bäume eigentlich durch einheimische Gehölze ersetzt werden sollen. Fast 10 Jahre später stellt sich für mich die Frage: Wo stehen diese einheimischen Gehölze und wie viele müssen davon gepflanzt werden, um auch nur eine große Pappel zu ersetzten? Natürlich haben diese Pappeln, wie jede andere Baumart auch, Wasser benötigt. Aber wie jeder andere Baum produzierten sie Sauerstoff, boten vielfältige Nistmöglichkeiten und hätten auch als Totholz von der Natur sinnvoll verwertet werden können.

Hochmoor, Niedermoor, Eigentor?

Bezeichnenderweise widerspricht sich der NABU zu diesem Thema mittlerweile selbst: Die ersten großen Pappeln im Bereich des Moorhus, wurden laut Aussage des NABU, auch auf Grund ihres Wasserverbrauchs gefällt. In der aktuell mit 34.500,- Euro geförderten Lauschtour-App verlieren diese Bäume in der "Kampfzone" und gemeint ist damit der Bruchwald/Außenbereich des Moores, ihren "Kampf" aber leider gegen das Grundwasser. Normalerweise sollte das Große Torfmoor, als ein von den Vereinen beworbenes "echtes Hochmoor", aber unabhängig vom Grundwasser sein, da Hochmoore/Regenmoore im Normalfall ausschließlich von örtlichen Niederschlägen mit Wasser versorgt werden. Biologisch betrachtet, entsprechen die bewaldeten Außenbereiche also eher einem wesentlich artenreicheren, Grundwasser-gespeisten Niedermoor. Das selektive Entfernen der Pappeln und anderer Bäume in den Randgebieten des Großen Torfmoores, oder der Bastauniederungen ergibt damit zumindest in Hinsicht auf ein von Vereinen und der Politik erhofften Hochmoor als Zielvorgabe, keinen für mich nachvollziehbaren Sinn.                  

Alleine die Größe dieser, bei uns, im wahrsten Sinne des Wortes, herausragenden Bäume, macht einen Ersatz in den nächsten Jahrzehnten unmöglich und war hier vor Ort offensichtlich auch nicht wirklich beabsichtigt. Die, genetisch sehr nahestehende Schwarzpappel war übrigens 2006 der medial gefeierte "Baum des Jahres", aber dies nur als Randbemerkung.  

Stattdessen bewirbt der NABU und die Biologische Station gerne eine, von diesen Vereinen offenbar heißgeliebte Form der Weide: Die Kopfweide! Diese, künstlich herbeigeführte Wuchsform einer Weide ist hier historisch bedingt ebenfalls landschaftsprägend, hat aber, genauso wie die Silberpappel ihren ursprünglichen Sinn seit langer Zeit eingebüßt. Warum also ist diese, durch menschliche Eingriffe künstlich herbeigeführte Form einer natürlichen Weide, der Liebling dieser Vereine und wird neu angepflanzt?

Zu Erklärung eine kurze Geschichte der Kopfweide: In früheren Zeiten dienten Kopfweiden als Rohstofflieferant für Fachwerkbauten, des Korbflechter-Handwerks oder für Weidezäune. Diese, mit viel Mühe herbeigeführte Wuchsform einer Weide hatte damals also nicht den Naturschutz zum Ziel, sie war einfach ein wirtschaftlich nutzbares Produkt, welches heute noch in Form von alten Kopfweiden unser Landschaftsbild beeinflusst.
Die Natur hat aber auch für diese, eigentlich verstümmelten Bäume, eine Verwendung und so werden Kopfweiden, wie jeder natürlich wachsende Baum auch, von diversen Tierarten als Lebensraum genutzt. Zumindest eine Neuanpflanzung einer Kopfweide, als Ersatz für einen natürlich gewachsenen Baum ergibt also keinen wirklichen Sinn mehr. Es sei denn, man schafft sich als Verein durch die regelmäßig notwendigen Eingriffe eine zusätzliche Existenzberechtigung.

Nicht ganz uneigennützig erscheinen deshalb In div. Tageszeitungen gerne Berichte über den leider regelmäßig notwendigen Rückschnitt dieser Kopfweiden mit Hilfe der jeweiligen Vereine. Alte Trafohäuser und vermutlich sogar neu gegossene Betonsäulen mit Bruthöhlen würde die Natur genauso nutzen und dort auch die gleichen Möglichkeiten für Eulen, Fledermäuse und andere Tierarten bieten. Ob der NABU und die Biologische Station aber deshalb auf die Idee kommt, neue Trafohäuser oder Betonsäulen aufzustellen? Eher nicht, da optisch unschön und einfach zu pflegeleicht. Warum werden also nicht einfach normale Weiden, Erlen, Eichen etc. angepflanzt?   

Streuobstwiesen und Obstbäume:

Obstbäume sind für jedes Privatgrundstück eine sinnvolle, gesunde und auch biologisch wertvolle Bereicherung! Als Ersatz für „plattgemachte“ Baumbestände in der Natur taugen auch alte Obstsorten aber nur bedingt, da Streuobstwiesen, übrigens genauso wie Kopfweiden, ebenfalls regelmäßig gepflegt werden müssen. Hätten die Vereine unserer Flora und Fauna ausreichend Flächen für eine Ausbreitung ohne menschliche Eingriffe bereitgestellt, wäre dies eigentlich kein Problem. Fördergelder, Spenden und Beiträge sollten aber vorrangig der örtlichen Natur zugutekommen, anstatt damit, unter Anderem, Obstplantagen zu bewirtschaften, auch wenn diese kleiner sind als vermutet.
Vielleicht überlassen die verantwortlichen Vereine diese Obstbaum-Standorte einfach den medienwirksam aufgezählten Tierarten und damit der Natur, welche von diesen Obstwiesen schließlich profitieren soll? Naturschutz ist ja schließlich kein Saftladen, oder?  

Künstliche Gewässer werden aufwendig durch künstliche Gewässer ersetzt.

Wie heißt es so schön: „Wir bauen auf und reißen ab und haben Arbeit nicht zu knapp!“

Während publicityträchtig neue, künstliche Laichgewässer angelegt werden, kann man an anderen Stellen beobachten, dass vorhandene, durch den ehemaligen Torfabbau entstandene Gewässer, mit eingebrachten Strauchschnitt oder unerklärlichen Pflanzkästen offensichtlich zügig verlandet werden sollen. Was für einen Sinn ergibt es, vorhandene und von der örtlichen Fauna genutzten Gewässer durch neue zu ersetzen?
Überschüssige finanzielle Mittel? Langeweile? Oder ertragen es die Vereine einfach nicht, dass die schon lange vorhandenen, aber nicht von NABU oder Biologischer Station realisierten Teiche und Gewässer das Große Torfmoor eher bereichern und längst von der Natur vereinnahmt wurden?     

Medial gerne präsent, aber lieber nicht zu sehr auffallen.

Zum Thema Klimawandel, Insektensterben und dem allgemeinen Artenrückgang äußern sich NABU und Biologische Station zwar hier und da kritisch oder besorgt, aber einen unmissverständlichen Standpunkt, oder öffentlichen Protest wird man von diesen Vereinen vor Ort leider nicht wahrnehmen. Die bisherige, unauffällige Koexistenz mit anderen Interessenkreisen könnte vielleicht ein Grund dafür sein, dass Konflikte lieber vermieden werden. Stattdessen wird das Große Torfmoor und Umgebung in letzter Zeit gerne als (politisch?) wichtiger, CO2 speichernder Naturschutz-Erfolg beworben, obwohl es momentan eigentlich eine bewirtschaftete Kulturlandschaft darstellt.

Natürlich ist ein wiedervernässtes und mit ausreichend Niederschlag funktionierendes Moor, neben der vorrangigen Funktion als Lebensraum für bedrohte Arten, auch ein natürlicher CO2 Speicher, aber die ehemals großen Baumbestände in den Übergangsbereichen des Moores haben den gleichen Zweck erfüllt. Warum wurden sie ohne passende Kompensationsmaßnahmen geopfert und was ist mit diesem Holz und den darin gespeicherten CO2 geschehen? Die, aktuell angedachten Blühstreifen als Ersatz für den, auch als Totholz wichtigen, aber entfernten Baumbestand, sind für das Große Torfmoor, Die Bastauniederung und Umgebung eigentlich eine Bankrotterklärung der Verantwortlichen. Ein paar m² Wildblumen beruhigen vielleicht das Gewissen, aber für die vorhandenen tierischen Bewohner sind sie eigentlich nur ein schlechter Scherz.           

Warum beziehen die Ortsvereine nicht eine klare Stellung bezüglich Insektiziden, Unkrautvernichtungsmitteln, der Jagd, oder der fortschreitenden Flächenversiegelung in der Umgebung? Und welchen Plan B gibt es für das Große Torfmoor/ Hiller Moor, wenn der Klimawandel den Vereinen trotz aller Eingriffe wie Abholzung, Bewirtschaftung oder künstlicher Verlandung von Gewässern einen Strich durch die Rechnung macht? Unsere Natur hätte mit Sicherheit eine Lösung und würde die örtliche Flora und Fauna problemlos mit einbeziehen. Dummerweise aber ohne Marketing, öffentlichen Fördermitteln und politisch auf die schnelle, nutzbaren Resultaten.

Das Große Torfmoor als CO2 Speicher?: Ja, wenn der Klimawandel und eine erfolgreiche Wiedervernässung es zulässt! Seltene Vogelarten im Großen Torfmoor und Umgebung?: Ja, wenn der Klimawandel und die örtlich vorhandene Flora und Fauna es zulässt! Neu angepflanzte Kopfweiden?: Unsere Natur kommt seit etlichen Millionen-Jahren ohne "Vereinshilfe" mit normal wachsenden Weiden und anderen Baumarten klar! "Business as usual", trotz komplett veränderter klimatischer Rahmenbedingungen?: Sieht aktuell leider ganz danach aus, denn dies würde bei NABU, Biologischer Station und der örtlichen Politik die gleiche Anpassungsfähigkeit und Flexibilität voraussetzen, welche die Verantwortlichen durch ihre Eingriffe unserer Flora und Fauna abverlangen!                

Mitgliedergenerierung an der Haustür:

Da ich in Lübbecke, Ortsteil Nettelstedt lebe und aufgewachsen bin, ist mir das Große Torfmoor/Hiller Moor und damit der Erhalt als ein vielfältiges und artenreiches Schutzgebiet sehr wichtig. Wie wird man also in dieser eher ländlichen Umgebung auf diese Vereine aufmerksam? Genau wie vermutlich etliche andere Bewohner der umliegenden Ortschaften wurde ich vor einigen Jahren von einem sympathischen, aber nicht aus dieser Region stammenden und vermeintlichen Mitglied des NABU an meiner Haustür für diesen Verein geworben. Moor-Spezifische Fragen bezüglich der geplanten Maßnahmen konnten dementsprechend, mangels Ortskenntnis nicht beantwortet werden. Natürlich möchte ich ehrliche, zielführende Naturschutzmaßnahmen gerne unterstützen und so habe ich damals, im Vertrauen auf sinnvolle Eingriffe in unserer Umgebung, die Beitrittserklärung für den NABU unterschrieben.

Leider stellten sich die beworbenen Aktivitäten für mich aber schon nach kurzer Zeit als unsensible und kompromisslose Eingriffe gegenüber der existierenden Flora und Fauna dar, welche bis heute leider andauern. Aus diesem Grund habe ich dem NABU verlassen und unterstütze mit meinen Spenden lieber andere, sinnvolle Projekte/Organisationen.

Naturschutz bedeutet für mich einen ehrlichen Einsatz für den Schutz der Natur. Dies beinhaltet auch die ortsnahe Wiederherstellung von Baumbeständen und Lebensräumen der vormaligen Bewohner. Eine rücksichtslose und vor allem nicht ernsthaft kompensierte Umwandlung einer vormals artenreichen Landschaft in eine vereinsnützliche, möglichst große, aber vielleicht nicht funktionierende, Hochmoor-ähnliche Landschaft mit sich ständig wiederholenden Eingriffen seitens der Vereine, möchte ich in dieser Form nicht weiter unterstützen.

Einen großen Verlust stellt mein Austritt eigentlich nicht dar, da Insbesondere der NABU auch mit Großkonzernen kooperiert und damit nicht auf jede Spende/Mitgliedsbeitrag angewiesen sein wird. Wer, wie ich überrumpelt wurde, bzw. einfach enttäuscht ist, kann unter folgendem Link formlos austreten:  https://www.nabu.de/spenden-und-mitmachen/mitgliederservice/27826.html 

Bezogen auf die eigene Denkweise dieser Vereine, muss man dabei auch kein schlechtes Gewissen haben: NABU und Biologische Stationen sind, vereinstechnisch, bundesweit vertreten und stehen nicht auf der "roten Liste". Der Verlust einzelner Ortsgruppen ist also nicht bestandsgefährdend und damit auch vertretbar.  

Kollateralschäden ignorieren und weglächeln. 

Die regionale Politik hinterfragt diese, vom NABU und Biologischer Station initiierten Maßnahmen offenbar nicht ernsthaft, da sie (a) einen, wenn auch vielleicht nur kurzfristigen Nutzen (siehe CO2 Speicher) davon hat. Oder (b) diese Maßnahmen und Eingriffe nicht bewerten/einordnen kann bzw. möchte. Oder (c) einfach froh ist, dass sie sich nicht selbst darum kümmern muss. Während sich die Parteien mit den verantwortlichen Vereinen und diesem Naturschutzgebiet schmücken, werden vor Ort mit Hilfe von Fördermitteln und Mitgliedsbeiträgen Fakten geschaffen, welche die ehemalige Flora und Fauna dort komplett ignoriert/dezimiert.     

Leidtragend ist in erster Linie unsere Natur und Ihre aktuellen Bewohner, welche, ähnlich der Sanierung eines Mietshauses durch einen neuen „Investor“ mit vermeintlich lukrativeren Bewohnern versehen wird. Leider ohne Rücksicht und Alternativen.

Natürlich wird ein Großteil dieser Eingriffe auch durch die zuständigen Landesbehörden initiiert, aber genau diese Vereine haben vermutlich einen nicht unerheblichen Einfluss auf diese Entscheidungen. Ein kurzer Blick vom Großen Torfmoor in Richtung Wiehengebirge sollte eigentlich reichen, um dieses eingeübte Standard-Vorgehen in Frage zu stellen.

Bei anhaltend zu geringen Niederschlägen schaut man vielleicht schon in naher Zukunft vom Nordhang eines baumlosen Wiehengebirges auf eine ebenfalls baumlose Tiefebene. Ob dies gewünscht ist, oder als Kollateralschaden der rigorosen Eingriffe einfach in Kauf genommen wird, können nur die Verantwortlichen für diese Gebiete beantworten. Aktuell dort lebende Pflanzen und Tiere haben leider keine Marketing-Abteilung, Spenden-Adresse oder Lobby.  

In eigener Sache:

Zum Schluss noch eine kleine, aber vielleicht interessante Begebenheit: 2012 bekam ich eine freundliche Anfrage einer Architektin, welche mich bezüglich der unentgeltlichen Nutzung meiner Bilder für eine unkommerzielle Dauerausstellung zum Thema Moore kontaktiert hat. Der Ort und die Initiatoren dieser Ausstellung wurde mir damals allerdings erst zum Ende der Bauphase mitgeteilt. Es handelte sich dabei um das Moorhus in Gehlenbeck.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich weder der NABU noch Jemand anderes der Verantwortlichen mit mir in Verbindung gesetzt. Die Architektin schickte mir aber Bildmaterial von den aktuellen Bau-fortschritten und lies mir dabei auch eine Einladung zu Eröffnungsfeier zukommen.
Am Tag der Einweihung fiel mir im Eingangsbereich ein Postkarten-Stapel auf, da dort auch eine Postkarte mit einem meiner Fotos käuflich zu erwerben war. Da ich die zu Verfügung gestellten Aufnahmen eigentlich zu Gestaltung der Innenräume freigegeben hatte, war ich ein wenig verwundert, aber auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass man es zeitlich leider nicht geschafft hat, mich diesbezüglich zu kontaktieren. Im Hinblick auf eine positive Entwicklung dieses Naturschutzgebiets, auch mit Hilfe des Moorhus,  habe ich mich mit dieser Aussage damals zufriedengegeben.

Meine Hoffnung für das Moor und einem fairen Umgang mit seinen Bewohnern wurde leider kurz danach mit den ersten gefällten Pappeln und dem Hinweis, dass noch weitere Fällungen geplant sind, enttäuscht. Der Eintritt für die „unkommerzielle Ausstellung“ im Moorhus beträgt aktuell 2,50 €. 

KAI HORMANN PHOTOGRAPHY
Natur- und Landschaftsfotografie aus dem Kreis Minden-Lübbecke. © Kai Hormann 2006-2022
DATENSCHUTZ