INFRAROTFOTOGRAFIE

ICH SEHE ETWAS, WAS DU NICHT SIEHST…

Von: Kai Hormann

WICHTIG! Ich übernehme keine Verantwortung für mögliche Schäden, die aufgrund der in diesem Artikels beschriebenen Umbauten  entstehen.
Jeder technische Eingriff stellt ein Risiko dar und kann schlimmstenfalls dazu führen, dass eine Kamera als "exklusiver Briefbeschwerer" endet.
 
Was ist Infrarotfotografie?

Bei der Infrarotfotografie wird der sichtbare Teil des Lichts mittels eines IR-Filter heraus gefiltert. Nur der Infrarote und für das menschliche Auge unsichtbare Bereich des Lichts mit einer Wellenlänge von ca. 700nm – 1000nm erreicht den Sensor/Film und belichtet ihn. Der Infrarot-Effekt zeigt sich darin, dass Bäume/Sträucher deren Blätter Chlorophyll enthalten, Infrarotstrahlung besonders gut reflektieren, auf dem Foto schneeweiß, fast Porzellanartig erscheinen. Der normalerweise blaue Himmel, der im IR Bereich nicht reflektiert, wird wiederum sehr dunkel, fast schwarz, abgebildet. Ein weiterer Effekt ergibt sich aus der Tatsache, dass Infrarotstrahlung Dunst oder Nebel fast ungehindert passieren kann. Dies hat zu Folge, dass selbst feinste Höhenwolken am Himmel sichtbar werden. Da man auf die Sonne als Lieferanten für IR Strahlung angewiesen ist, und Blattgrün den Haupteffekt erzielt, kann man Infrarotfotografie eigentlich nur im Sommer sinnvoll betreiben.

Wie kann ich feststellen, ob meine Digitalkamera Infrarotfähig ist?

Eigentlich ganz einfach. Man nimmt eine Handelsübliche Fernbedienung ( z.B vom TV Gerät ) und hält sie, mit einer gedrückten Taste vor die Kamera.
Wenn es sich dabei um eine Kompaktkamera oder eine Kamera mit Liveview handelt, kann man unter Umständen schon auf dem Suchermonitor erkennen, dass die Infrarotdiode der FB ein helles weißes Licht abstrahlt.

Bei Dslr's sind u.U. ein paar Testaufnahmen vonnöten, um den Effekt zu sehen. Manche Objektive neigen leider dazu, einen so genannten Hotspot in der Bildmitte zu zeigen, das heisst, sie erzeugen einen auffällig hellen Bereich im Bildmittelpunkt. Als gut und günstig, für Kameras mit APS-c Sensor,
kann z.B.das Sigma 18-50 3,5-5,6 DC genannt werden, welches diesen Hotspot nicht aufweist.

 Was wird für die Infrarotfotografie benötigt? 

Das Wichtigste ist natürlich ein passender Infrarotfilter, der vor dem Objektiv angebracht wird.  Als sehr gut geeignet hat sich der Hoya IR72 ( 720nm )
herausgestellt, der allerdings leider, auf Grund einer EU-Verordnung über bleihaltige Gläser, nicht mehr hergestellt wird. Aber auch andere Hersteller wie Heliopan oder B+W bieten Infrarotfilter in verschiedenen Durchlass-Stärken und Durchmesser an. Wichtig ist des weiteren, einen manuellen Weißabgleich an der Kamera einstellen zu können. Im Gegensatz zu einem normalen Weißabgleich der auf eine neutral-weiße Fläche gemacht wird, muss der IR Weißabgleich mit aufgesetztem Filter auf eine Sonnenbestrahlte Grünfläche ( Rasenfläche, Wiese o. Ä. ) gemacht werden, da man ansonsten ein stark rot-stichiges Bildergebnis erhält. Auch ein Stativ ist bei einer nicht modifizierten Kamera Pflicht, um bei Belichtungszeiten von ca. 10 - 30 sek die Kamera ruhig zu halten.

Wie erfolgt die Nachbearbeitung?

Die Nachbearbeitung in Photoshop ist im Normalfall relativ simpel. Es erfolgt eine automatische Tonwertkorrektur, die je nach Geschmack, noch variiert werden kann. Anschließend werden über den Kanalmixer der Rot und Blaukanal miteinander getauscht, um den charakterischen dunkelblauen, fast schwarzen Himmel zu erhalten. 

Königsmühle in Eilhausen, Lübbecke. Infrarot-Panorama

Königsmühle in Eilhausen, Lübbecke: Infrarot-Panorama. 

Infrarot-Panorama: Das Große Torfmoor mit Blick auf Nettelstedt

Infrarot-Panorama: Das Große Torfmoor mit Blick auf Nettelstedt.

 Was gibt es sonst noch?

Es gibt noch eine etwas aufwändigere Variante der Infrarotfotografie.   Hierbei wird der IR Sperrfilter vom Sensor der Kamera entfernt und durch ein normales Optisches Glas, oder direkt mit einen IR-Filter in der gewünschten Durchlass-Wellenlänge ersetzt.Dabei ist zu beachten, dass der Glasfilter die gleiche Dicke des Sperrfilters besitzt, da anderenfalls der Autofokus nicht mehr richtig arbeiten könnte. Die so umgebaute Kamera ist danach eine reine IR Kamera, die Aufgrund des fehlenden Sperrfilter keine normalen Aufnahmen mehr ermöglicht.

Ein Umbau hat allerdings einen großen Vorteil: Der jetzt wesentlich Infrarot empfindlichere Sensor, verkürzt die Belichtungszeiten stark.Ein Fotografieren aus der Hand und somit auch von schnell bewegten Objekten wird damit möglich. Jeder sollte sich jedoch über sein Technisches Geschick im klaren sein, da die Kamera komplett zerlegt werden muss und man Gefahr läuft, den Sensor, die Elektronik, oder eines der vielen Flachbahn-Kabel zu beschädigen. Beim einsetzen des Filters sollte überdies auf absolute Sauberkeit/Staubfreiheit geachtet werden. Das die Garantie bei dieser Art von Eingriffen erlischt, versteht sich von selbst!  Ich selbst habe mittlerweile eine Canon G3, sowie eine G5 auf diese Weise modifiziert. Beide Kameras haben den Eingriff überstanden und produzieren ansprechende Ergebnisse.

Passender Lieferant für das Ersatz-Glas waren in meinem Fall ein nicht genutzter UV-Filter,der die benötigte Glasstärke und optische Qualität aufwies. Allerdings erfordert das Zuschneiden und Schleifen eines Ersatz-Filterglases einiges an Übung und Geduld. Meine ersten Versuche endeten im Glasbruch. :-)  

Infrarot-Umbau einer Digitalkamera:

Anmerkung:

Dieses Tutorial erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es soll lediglich einen Überblick über die Technik und deren Möglichkeiten vermitteln.

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Großes Torfmoor & Wiehengebirge


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